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19.08.2011 08:43 Alter: 8 yrs
Kategorie: Leserbriefe

Brustkrebsvorsorge nicht ohne kantonales Krebsregister

Leserbrief im Bund vom 22.08.11


Erfreuliche Neuigkeiten: Im Kanton Bern soll ab 2013 ein Brustkrebsvorsorgeprogramm ganzflächig eingeführt werden. Dies ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber leider nur ein erster. Der Kanton Bern als einer der grössten Kantone mit einer Million Einwohnern braucht parallel dazu ein allgemeines kantonales Krebsregister. Umfassende und solide epidemiologische Analysen von allen Krebsarten in der Schweiz sind ohne bernisches Krebsregister nicht möglich. Es macht aus epidemiologischer Sicht auch wenig Sinn, eine teure Brustkrebsvorsorge einzuführen, wenn nicht gleichzeitig die Häufigkeit der Erkrankung, die Therapieerfolge und die Anzahl Todesfälle in einer Krebsdatenbank erfasst werden. Schliesslich ermöglicht ein solches Krebsregister nicht nur die Evaluation der Brustkrebsvorsorge sondern Kosten-Nutzenanalysen für die verschiedenen Therapieansätze aller Krebserkrankung. Die jährlichen Kosten für ein umfassendes Krebsregister belaufen sich auf 1.80 Fr. pro Einwohner. Dies ist nicht billig. Aber ein solches Krebsregister ermöglicht wertvolle Evaluationen von teilweise doch sehr belastenden und letztlich auch teuren Therapien.

Es ist zu hoffen, dass unsere Gesundheits- und Fürsorgedirektion nicht auf halbem Weg stehen bleibt und das längst überfällige kantonale Krebsregister möglichst noch vor dem Mammographie-Screening-Programm einführt. Ohne Krebsregister ist das teure Vorsorgeprogramm nur halb so viel wert. Der Prüfauftrag des Grossen Rates für die Einführung des Krebsregisters ist seit 2008 hängig.